"Nebenwerte werden den DAX 2012 erneut schlagen"

Im Gespräch mit Roland Könen, Portfoliomanager bei der Value Holdings Gruppe, deren Fonds auf Nebenwerte in Deutschland und im übrigen Europa fokussiert sind und regelmäßig in der Spitze der Perfomance-Rankings für Aktienfonds zu finden sind.

Herr Könen, wie fällt ihre Prognose für den deutschen Aktienmarkt 2012 und für Small & Mid Caps (Nebenwerte) im Speziellen aus?

Roland Könen: Als überzeugter Stockpicker haben wir keine expliziten Kursziele für Indizes und auch keine Prognosen für die Märkte allgemein. Unser großes Bild resultiert eher aus den Perspektiven der einzelnen Unternehmen. Und das sieht derzeit sehr positiv aus. Eine mögliche Rezession ist bei den meisten der von uns verfolgten Gesellschaften im aktuellen Geschäft nicht abzusehen.

Nebenwerte, vor allem die mittelständischen Nischenplayer mit marktführenden Positionen, werden selbst in rezessiven Phasen gute Geschäfte machen. Ihre Produkte werden gebraucht und sie können aufgrund ihrer Marktstellung höhere Margen erzielen.  Und da viele der Small & Mid Caps derzeit günstig bewertet sind, sind wir für die Nebenwerte in 2012 grundsätzlich optimistisch eingestellt. 

Ihre Fonds schneiden regelmäßig besser ab als die Benchmarks. Wie gehen Sie bei der Aktienauswahl vor?

Roland Könen: Der Grundgedanke aller unserer Anlageentscheidungen ist das Value-Investing. Wir beteiligen uns an Unternehmen, deren Substanz, Ertragskraft oder künftiges Potential vom Finanzmarkt im Zeitpunkt des Investments nicht genügend honoriert wird.

Als Value-Investoren denken wir wie ein Unternehmer, nicht wie ein Spekulant. Wir kaufen Anteile an Unternehmen mit einem Discount zum inneren Wert. Dies schafft uns eine Sicherheitsmarge, denn je tiefer der Kaufpreis unter dem inneren Wert liegt, desto geringer ist das Risiko, mit dem Investment Geld zu verlieren. Wir profitieren von den Ausschüttungen der Beteiligungsunternehmen und partizipieren langfristig von der Wertsteigerung der Gesellschaften.

Welche Branchen favorisieren Sie derzeit bei der Aktienauswahl?

Roland Könen: Zunächst einmal investieren wir ausschließlich in Branchen die wir verstehen und in Geschäftsmodelle, bei denen wir von einer nachhaltigen Geschäftsentwicklung ausgehen. Wir halten nichts davon, Bewertungsmodelle heranzuziehen, die die Gewinnentwicklung der kommenden 20 Jahre berücksichtigen. Grundsätzlich fühlen wir uns in den Branchen der sogenannten „Old Economy“ sehr wohl. Aktuell finden wir z.B. die Zementbranche inkl. baunaher Bereiche sowie die Automobilindustrie samt Zulieferern spannend.

Mittelständische Unternehmen stehen mehr denn je vor der Frage, welche Finanzierungsstrategie die Richtige ist. Welchen Finanzierungsmix halten Sie für sinnvoll?

Roland Könen: Wir sind ja überzeugte Aktieninvestoren. Von daher plädiere ich für eine solide Eigenkapitalausstattung. Die optimale Eigenkapitalquote hängt natürlich stark vom Geschäftsmodell ab. Ein gesunder Leverage mit ausgewogenen Laufzeiten auf der Fremdkapitalseite sind für eine vernünftige Eigenkapitalverzinsung vertretbar und auch sinnvoll. Wichtig ist, dass Klumpenrisiken sowohl bei den Fälligkeiten als auch den Instrumenten vermieden werden.

Seit zwei Jahren gibt es Qualitätssegmente verschiedener Börsen für Unternehmensanleihen mittelständischer Emittenten. Wie beurteilen Sie die Segmente und die bislang emittierten Anleihen?

Roland Könen: Ich finde es grundsätzlich gut, dass sich solch ein Markt für Mittelstandsanleihen gebildet hat. Es ist eine weitere Finanzierungsquelle für den deutschen Mittelstand, der die Unabhängigkeit von der Bankenfinanzierung vergrößert.

Ich glaube aber auch, dass es in den kommenden Jahren noch Rückschläge z.B. durch Ausfälle einzelner Emittenten geben wird, die zu Anpassungen der Segmentvorschriften und der Auswahl der jeweiligen Unternehmen führen wird. Dies wird ein Lernprozess auch bei den - oftmals privaten - Investoren sein, der aber bei so jungen Ideen wie den Mittelstandsanleihen nie ausbleiben wird. 

Die grundsätzliche Qualität der Anleihen lässt sich wohl am besten durch die aktuellen Kurse beurteilen, die zum Teil deutlich unter pari notieren. Andererseits gibt es auch Werte, die eine sehr gute Kursentwicklung gezeigt haben. Eine endgültige Einschätzung der einzelnen Anleihen wird jedoch erst nach Fälligkeit erfolgen können – nämlich dann, wenn die vollständige Zins- und Rückzahlung ansteht.

Was erwarten Sie in puncto Börsengänge und Kapitalerhöhungen für das Jahr 2012? 

Roland Könen: Das kommt natürlich entscheidend auf die weitere Entwicklung der Kapitalmärkte an und in wie weit die entsprechenden Zeitfenster an den Börsen genutzt werden können. Angesichts weiter steigender Restriktionen bei der Kreditvergabe der Banken, wird meines Erachtens die Eigenkapitalversorgung aber immer wichtiger werden, so dass wir uns hier eine Belebung in 2012 durchaus vorstellen können. 

Herr Könen, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zur Value Holdings Gruppe unter: www.value-holdings.de