Studie: "Digitalisierung" in der Realität

“Digitalisierung? Practice what you preach!” Was versprechen DAX30-Konzerne ihren Anlegern zum Thema Digitalisierung? Wie gut wird das Thema in der Praxis umgesetzt?

Eine Studie der IR.on AG und der NetFederation GmbH zeigt, dass es eine Menge Potenzial in der analog-digitalen Verschmelzung von Kommunikationsaktivitäten bei den DAX30 Konzernen gibt. Es wurden die Geschäftsberichte 2017 sowie die aktuellen IR-Websites der Unternehmen unter der Prämisse gesichtet, was Versprechen und was Realität ist. Die Ergebnisse zeigen die ganze Bandbreite von nicht eingehaltenen Versprechen bis hin zum pragmatischen Einsatz userorienter Innovationen.

Ein Viertel der DAX-Konzerne sieht sich laut ihren aktuellen Geschäftsberichten als digitaler Vorreiter: Digitalisierung gilt als Chance und 90 % der DAX-Unternehmen definieren Digitalisierung als Teil ihrer Unternehmensstrategie, so auch bei der Kommunikation. Leider ist das Versprechen in der Wirklichkeit für den User und potenziellen Anleger nur selten wahrnehmbar.

Absolutes Schlusslicht der Untersuchung ist die Commerzbank. Das Unternehmen verspricht im Geschäftsbericht jede Menge Digitalisierung, setzt sie aber in keiner Weise um. So gibt es keine mobile, responsive IR-Website, jede Menge DIN-A4-Format in PDF-Regalen und das alles auf langsamer, veralteter Technik und veraltetem Design. Commerzbank-CEO Zielke hat angekündigt, 9.600 Stellen zu streichen und rund 80 % der Prozesse zu digitalisieren. Doch bisher konnte das Geldhaus den Shareholdern auf ihrer IR-Webseite in keinster Weise zeigen, dass diese Strategie aufgeht.

Im Fokus der Studie standen die Themen Strategie, Reporting und User Experience. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit sind bei den größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands enorme Lücken zu entdecken. Festzuhalten ist: Raum für Verbesserung gibt es immer, vor allem bei der schnellen Umsetzung neuer Formate.

Wie wurde die Untersuchung organisiert?

IR.on AG ist Beratungsgesellschaft für Investor Relations und Finanzkommunikation mit Sitz in Köln. IR.on analysierte im Rahmen dieser Studie die aktuellen Geschäftsberichte aller DAX30-Unternehmen mit dem Kommunikationsschwerpunkt „Digitalisierung“, Schwerpunkt hier:

  • Bedeutung Digitalisierung: Spielt das Thema Digitalisierung für Konzerne eine exponierte Rolle?
  • Eigensicht: Wie sehen sich Konzerne selbst beim Thema Digitalisierung?
  • Kommunikation: Wie stark ist das Thema Digitalisierung innerhalb der Berichterstattung vertreten?

NetFederation GmbH ist Unternehmensberatung für digitale Unternehmenskommunikation mit Sitz in Köln. NetFed analysierte für diese Studie das realistische Abbild des digitalen Nutzer- bzw. Leserverhaltens auf den IR-Websites aller DAX30-Unternehmen, die Kernfrage hier:

  • Realitätscheck: Wie digital ist die Kommunikation? Wie gut werden Anleger erreicht?

Ergebnisse der Untersuchung – unser Fazit:

  • Digitalisierung ist bei Mehrheit der DAX-Unternehmen ein zentrales Thema im Geschäftsbericht.
  • Ein Viertel aller DAX-Konzerne sieht sich in ihrer Branche als „digitaler Vorreiter“.
  • Die DAX-Vorstände sehen die Digitalisierung als Chance für ihr Geschäftsmodell.
  • 90 % aller DAX-Unternehmen begreifen die Digitalisierung als Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie.
  • Auch wenn die Digitalisierung im Geschäftsbericht einen großen Raum einnimmt, bedeutet es vielfach nicht, dass dieser Anspruch auch auf den Websites gelebt wird.
  • Die Hälfte der Unternehmen hat deutlichen Ausbaubedarf, 20% werden ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Es gibt die digitalen IR-Profis:

  • Digitalisierung ist von zentraler Bedeutung und Bestandteil der Unternehmensstrategie.
  • Das Thema wird im Geschäftsbericht sehr stark kommuniziert.
  • Die Investor-Relations-Abteilungen kommunizieren mit ihrer Zielgruppe innovativ und modern auf digitaler Augenhöhe und sind in der Lage, die Strategie in ihrem Bereich umzusetzen.
  • Zu den Profis gehören Allianz, BASF, BMW, Daimler, Telekom, Deutsche Post, Henkel, SAP und Volkswagen.

   

Das Feld der Pragmatiker zeichnet sich aus durch:

  • Das Thema Digitalisierung wird im Geschäftsbericht erwähnt, aber in der Finanzkommunikation noch nicht durchgängig „gelebt“.
  • Die Investor-Relations-Abteilungen zeigen gute Ansätze und arbeiten mit „Bordmitteln“.
  • Viel Potential bleibt jedoch ungenutzt.
  • Zum Feld gehören, Bayer, E.ON, Fresenius Medical Care, Linde, Merck und Vonovia.

Unternehmen, für die Digitalisierung keine oder nur eine kleine Rolle spielt und die auch noch nichts umgesetzt haben („Rookies“), zeichnen sich aus durch:

  • Das Thema Digitalisierung wird im Geschäftsbericht nur mäßig erwähnt und schlägt sich auch nicht in der digitalen Unternehmens- oder Finanzkommunikation nieder.
  • Die Anleger werden mit ihren Erwartungen an die digitale Wachstumsstory alleingelassen.
  • Zu den Rookies gehören Continental, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Lufthansa, Fresenius, Infineon, RWE, Siemens und ThyssenKrupp.

Die absoluten Theoretiker, die nach dem Motto “Overpromise, underdeliver!” kommunizieren, haben uns negativ überrascht:

  • Digitalisierung ist von zentraler Bedeutung und Bestandteil der Unternehmensstrategie.
  • Das Thema wird im Geschäftsbericht sehr stark kommuniziert.
  • Das Erleben der Digitalisierungs-Story ist dagegen eine herbe Enttäuschung. Die IR-Abteilungen sind nicht in der Lage, die Anforderungen adäquat umzusetzen und hinken hinter allg. Standards (z. B. Mobile Website) weit hinterher.
  • Zu den Verlierern der Untersuchung gehören adidas, Beiersdorf, Covestro, HeidelbergCement und MunichRe. Absolutes Schlusslicht ist die Commerzbank.

„Auch wenn das Digitalisierungsversprechen im Geschäftsbericht einen großen Raum einnimmt, bedeutet es vielfach nicht, dass dieser Anspruch auf den entsprechenden Kanälen gelebt wird“, sagt Thorsten Greiten, Geschäftsführer der NetFederation GmbH.

Achim Josten, Vorstand der IR.on AG ergänzt: „Relevante Unternehmensinformationen müssen mit großer Sensibilität und unter Berücksichtigung der sich ständig verändernden Regularien attraktiv aufbereitet werden. Das ist eine fortwährende Herausforderung.“

Mehr Informationen zu den beteiligten Unternehmen finden Sie unter www.net-federation.de oder bei uns in der Rubrik "Unternehmen". Bei Fragen und Anregungen, rufen Sie uns gerne jederzeit an oder schreiben Sie uns eine Email.