Ein Mittelständler aus dem niederbayerischen Salzweg, 1947 gegründet, rund 550 Mitarbeitende, Weltmarktanteil von 27 Prozent in seiner Nische und doch kannte ihn vor wenigen Wochen noch kaum jemand. Mit dem Börsengang der electrovac AG Ende April 2026 hat sich das schlagartig geändert. iron hat das Unternehmen auf dem Weg an die Börse kommunikativ begleitet und dabei den Hidden Champion beim Aufbau seiner Kapitalmarktreputation unterstützt.
Ein Hidden Champion, wie er im Buche steht
Schon der Begriff Glas-Metall-Versiegelungstechnik macht klar, warum electrovac jahrzehntelang unter dem Radar der Öffentlichkeit segelte. Doch hinter dem sperrigen Terminus verbirgt sich ein systemkritisches Geschäft: Hermetische Gehäuse von electrovac schützen die Elektronik in Airbag-Zündern, Gurtstraffern, Satelliten und militärischer Luftfahrt. Dabei gilt eine „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Fehlern. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Anbieter, die das in dieser Qualität und in Großserien können und electrovac ist einer der Marktführer.
Genau diese Konstellation ist für Investor Relations jedoch eine Herausforderung. Das Geschäftsmodell mag an sich überzeugen. Aber institutionelle Investoren, Analysten, Medien – und im Fall electrovac gezielt auch Privatanleger – müssen schnell Chancen und Risiken erfassen und Informationslücken schließen, um eine fundierte Investitionsentscheidung treffen zu können. Dafür stand nur ein überschaubares Zeitfenster zur Verfügung.
Equity Story platzieren, Strukturen aufbauen
Die Aufgabe von iron war klar umrissen und gleichzeitig anspruchsvoll: In einem schwierigen makroökonomischen Umfeld musste ein nahezu unbekanntes Unternehmen am Kapitalmarkt positioniert werden. Die Equity Story stand inhaltlich bereits fest: Technologieführer in einem Markt mit hohen Eintrittsbarrieren, Eigenkapitalquote über 50 Prozent, EBIT-Marge von zuletzt 12,2 Prozent in den ersten neun Monaten 2025/26 und konkrete Wachstumstreiber in Asien sowie den USA. Unsere Aufgabe war es, diese Story bei Medien und Privatanlegern zu platzieren und die Komplexität der Technologie verständlich zu erläutern. Das Echo der Finanzmedien war durchweg positiv und sorgte für eine deutlich steigende Bekanntheit des Unternehmens.

IR-Verantwortliche coachen, Strukturen aufbauen
Ebenso wichtig wie die externe Kommunikation: Der Aufbau interner Kapitalmarktkompetenz. Wir haben das Management von electrovac gezielt auf Investorengespräche und Medieninterviews vorbereitet und einen Coaching-Workshop mit den künftig für IR verantwortlichen Mitarbeiter:innen im Hinblick auf die Folgepflichten durchgeführt. Denn das Kapitalmarktleben endet nicht mit dem ersten Handelstag, es beginnt dort.
Erfolg trotz Gegenwind
Das Ergebnis spricht für sich: Die Emission wurde voll platziert, der Streubesitz liegt bei rund 28 Prozent, der Retail-Anteil des Platzierungsvolumens erreichte 10 Prozent. Dass der Ausgabepreis am unteren Ende der Spanne lag, ist angesichts des angespannten Marktumfelds mit Rekordständen beim Ölpreis und einem insgesamt schwachen Börsenumfeld wenig überraschend. Entscheidend ist: electrovac hat den angepeilten Bruttoemissionserlös von 30 Millionen Euro eingespielt, der Kapazitätsausbau in Thailand und die Expansion in China und in den USA kann starten. Jetzt gilt es für das Unternehmen, den Vertrauensvorschuss der Investoren kontinuierlich zurückzuzahlen und mit dem Kapitalmarkt weiter zu wachsen.
Für uns als iron ist der electrovac-IPO ein Lehrstück dafür, was IR-Kommunikation unter Zeitdruck leisten kann, wenn die Platzierung der Equity Story, gezielte Pressearbeit und der Aufbau interner Strukturen Hand in Hand gehen.