Vorausschauend statt abwartend: Wie Homann die ESRS-Reform schon heute nutzt

02.06.2026

Während viele Mittelständler die ESG-Berichterstattung angesichts der regulatorischen Unsicherheiten zurückstellen, geht die Homann Holzwerkstoffe Gruppe den umgekehrten Weg: Das Familienunternehmen aus München legt seine fünfte freiwillige Nachhaltigkeitserklärung vor und wendet dabei die im Dezember 2025 veröffentlichten Vereinfachungen der ESRS bereits an. Das Ergebnis: eine fokussiertere Nachhaltigkeitsstrategie, ein schlankerer Bericht und ein klarer Vorsprung vor der eigenen CSRD-Pflicht ab 2027.

Freiwillig berichten, bevor die Pflicht greift

Der Hersteller dünner, hochveredelter Holzfaserplatten mit Werken in Deutschland, Polen und seit Mai 2025 auch in Litauen wird erst für das Geschäftsjahr 2027 voraussichtlich CSRD-berichtspflichtig. Doch statt abzuwarten, hat das in vierter Generation von Fritz Homann geführte Unternehmen ESG längst zum festen Bestandteil seines Reportings gemacht. Seit 2021 berichtet die Gruppe jährlich, seit 2024 strukturell und inhaltlich in Anlehnung an die ESRS.

Hinter der konsequenten Berichterstattung steht handfeste operative Substanz. Die Gruppe hat ihre spezifischen CO₂-Emissionen (CO2eq/m³) in Scope 1 und 2 gegenüber dem Basisjahr 2020 bereits um 42 % gesenkt – getragen von gezielten Investitionen in die Energieeffizienz an den Standorten Losheim (Modernisierung von Presse und Beleimung), Karlino (Automatisierung der Bearbeitungslinien) und Krosno (Energieeinsparprojekte in Absaugung und Kesselhaus). Parallel ist mit der Inbetriebnahme des neuen Werks im litauischen Pagiriai im Mai 2025 ein strategischer Meilenstein gelungen, der von Beginn an in die Nachhaltigkeitsarchitektur der Gruppe eingebunden ist.

Mit der Erklärung für das Geschäftsjahr 2025 geht Homann nun einen Schritt weiter und übernimmt die im Dezember 2025 von der EFRAG veröffentlichten Vereinfachungen der überarbeiteten ESRS (die finale Fassung wird erst Mitte 2026 erwartet). Die Anpassungen betreffen zwei Ebenen: eine aktualisierte Wesentlichkeitsanalyse und eine neue Berichtsarchitektur.

Aktualisierte Wesentlichkeitsanalyse: Von 20 auf 12 IROs und ein Standard weniger

Im Zentrum steht eine systematisch überarbeitete doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die Anfang 2026 abgeschlossen wurde. Die Zahl der wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) wurde von 20 auf 12 reduziert. Möglich wurde dies durch eine Neubewertung der IROs auf Basis der aktualisierten Methodik zur Doppelten Wesentlichkeitsanalyse. Außerdem wurden IROs ohne ausreichenden Nachhaltigkeitsbezug oder mit reinem Wirtschaftsfokus von der Bewertung ausgeschlossen und Formulierungen geschärft.

Besonders ausschlaggebend: Der Standard ESRS S4 (Verbraucher und Endnutzer) wurde nach der überarbeiteten Methodik nicht mehr als wesentlich eingestuft. Da Homann als Hersteller von Halbfertigerzeugnissen keinen direkten Kontakt zu Endverbraucher:innen hat, ist dies eine logische Konsequenz. Damit ist ein kompletter themenspezifischer Standard für die Berichterstattung nicht mehr relevant. Das spart nicht nur Aufwand bei Datenerhebung und Prüfung, sondern erlaubt es dem Unternehmen, seine Nachhaltigkeitsstrategie noch gezielter auf die wirklich relevanten Themen auszurichten.

Neue Architektur, klarere Aussagen

Auch strukturell folgt der Bericht durchgängig der überarbeiteten ESRS-Logik. Konzepte, Maßnahmen und Ziele werden nun zentral im Kapitel „Allgemeine Informationen“ zusammengeführt (GDR-P, GDR-A, GDR-T), statt verstreut in den themenspezifischen Standards aufzutauchen. Auch die Beschreibung der Wechselwirkungen zwischen IROs, Geschäftsmodell und finanziellen Effekten erfolgt übergeordnet an einer Stelle. Das macht die Erklärung lesbarer und Stakeholdern wie Banken, Kunden oder Investoren wird es leichter gemacht, sich ein Gesamtbild zu verschaffen.

„Die Zeit, die wir bei Datenerhebung und Berichterstellung einsparen, können wir dort investieren, wo sie wirklich etwas bewegt: in die Planung und Umsetzung konkreter Maßnahmen zu unseren wesentlichen Themen.“

Christina Busch, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der Homann Holzwerkstoffe Gruppe

Was Unternehmen daraus mitnehmen können

Der Fall Homann macht deutlich: Wer seine Wesentlichkeitsanalyse rechtzeitig überarbeitet und die methodischen Verbesserungen der neuen ESRS bereits jetzt nutzt, spart später Zeit und Geld, ohne Abstriche bei der regulatorischen Konformität zu machen. Ergänzend bereitet das Unternehmen die gruppenweite Einführung einer Software für die ESG-Datenerhebung vor, die ab 2026 auch Daten für Corporate und Product Carbon Footprint, EU-Taxonomie und EUDR bündelt.

Das Signal ist klar: Nachhaltigkeitsberichterstattung lohnt sich auch ohne Pflicht, wenn man sie strategisch angeht.

Wir bedanken uns bei der Homann Holzwerkstoffe Gruppe für das entgegengebrachte Vertrauen und die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Steven Rohles
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Steven Rohles

Steven Rohles

Head of Nachhaltigkeitskommunikation & ESG

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