Der Intralogistik-Spezialist SSI SCHÄFER wird voraussichtlich ab dem Geschäftsjahr 2027 erstmalig CSRD-berichtspflichtig und geht diese Anforderung frühzeitig und in mehreren Etappen an. Für die Berichterstattung 2025 hat das Unternehmen dabei einen zweigleisigen Ansatz gewählt: Ein freiwilliger Bericht nach dem VSME-Standard bildet den formalen, faktenbasierten Kern; eine begleitende Nachhaltigkeits-Broschüre bereitet die Inhalte visuell auf und lässt Raum für operative Highlights.
Schritt für Schritt in Richtung CSRD
SSI SCHÄFER zählt zu den weltweit führenden Anbietern von Intralogistik-Lösungen. Mit rund 80 Gesellschaften und ca. 8.800 Mitarbeitenden ist das Unternehmen in 71 Ländern aktiv. Der Aufwand zur ESG-Datenerhebung ist damit vergleichsweise hoch, da viele Personen Daten nicht nur liefern, sondern auch dazu geschult werden müssen. 2024 begann daher die Implementierung eines ESG-Tools, das den Erhebungsprozess weiter automatisieren und Prüfungssicherheit garantieren sollte. Die zugrunde liegenden Prozesse und Strukturen wurden parallel über die vergangenen Jahre schrittweise aufgebaut. Das zahlte sich aus: Der Übergang zur Nutzung des Tools verlief reibungslos.
Die inhaltliche Grundlage für die Berichterstattung wurde ebenfalls bereits vor einiger Zeit gelegt: Eine gemäß den ESRS durchgeführte doppelte Wesentlichkeitsanalyse legt fest, welche Themen für SSI SCHÄFER wesentlich sind und worüber jetzt und in Zukunft berichtet wird. Auf dieser Basis bildet für das Geschäftsjahr 2025 ein freiwilliger Bericht nach dem VSME-Standard, veröffentlicht als Teil des Konzernlageberichts, die Grundlage für einen künftigen CSRD-Bericht. Er bietet einen schlanken Rahmen für die ESG-Berichterstattung und setzt bewusst sachlich und ohne werbliche Sprache auf klar strukturierte Angaben zu Umwelt, Sozialem und Governance.
Die Broschüre als zweites Standbein
Seit 2021 veröffentlicht SSI SCHÄFER freiwillig einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht in Anlehnung an die GRI-Standards. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde dieser in „Nachhaltigkeits-Broschüre“ umbenannt, um ihn klar vom VSME-Bericht abzugrenzen, der als Teil des Konzernlageberichts erscheint. Die Broschüre stellt Inhalte in den Vordergrund, die im VSME-Bericht nicht oder nur knapp vorkommen: operative Highlights, Initiativen sowie regionale Fortschritte und Schulungen aus den einzelnen Nachhaltigkeitsbereichen.
Ein konkretes Beispiel aus dem Jahr 2025 ist ein Distributionszentrum, das SSI SCHÄFER für Coop im schwedischen Eskilstuna gebaut hat: Es wurde 2025 gleich mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Best of Industry Award in der Kategorie „Sustainability“ und dem reta Award „Supply Chain Excellence“.
Auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen prägt das Engagement: Mit dem Fraunhofer IML untersuchte SSI SCHÄFER, ob sich Holz als nachhaltigere Alternative zu Stahl für Lager- und Regalsysteme eignet. Der TU Graz spendete das Unternehmen gebrauchte Fördertechnik, die dort Forschung und Lehre unterstützt und zugleich den Produktlebenszyklus verlängert. Und der FH Dortmund stellte SSI SCHÄFER drei fahrerlose Transportsysteme für deren „Logistics Innovation Lab“ bereit, in dem ressourcenschonende Automatisierungskonzepte erforscht werden.
Kontinuierliche Verbesserung der ESG-Datenbasis
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die stetige Ausweitung der Datenbasis. Für sein Treibhausgas-Inventar hat SSI SCHÄFER die Zahl der erfassten Standorte von 57 im Bericht 2024 auf 71 erhöht und deckt damit rund 98 Prozent der wirtschaftlichen Aktivität des Konzerns ab. Dass sich das Engagement dabei kontinuierlich weiterentwickeln muss, zeigt schon das EcoVadis-Rating, dessen Anforderungen von Jahr zu Jahr strenger werden. Umso mehr wiegt die Tatsache, dass SSI SCHÄFER nach zwei Jahren Bronze 2025 erstmals mit der Silber-Medaille ausgezeichnet wurde. Damit zählt das Unternehmen zu den oberen 15 Prozent der bewerteten Unternehmen. Ein Beleg dafür, dass sich SSI SCHÄFER nicht zurücklehnt, sondern kontinuierliche Verbesserung als festen Bestandteil seines Weges versteht.
Erfolgreiche Kooperation vieler Fachbereiche
Das beschriebene Doppelformat aus VSME-Bericht und Broschüre ist naturgemäß mit einem hohen Aufwand verbunden – nicht zuletzt, weil die Anforderungen der verschiedenen Stakeholder unterschiedlich sind. Die ESG-Daten stammen aus zahlreichen Fachbereichen, darunter Sustainability, HSE, Finance, HR und Corporate Communications, sowie aus vielen Ländern und regionalen Einheiten. Sie mussten zusammengeführt, geprüft und aufeinander abgestimmt werden, damit VSME-Bericht und Broschüre am Ende ein stimmiges Gesamtbild ergeben.
„Ein solches Berichtsformat entsteht nur im engen Zusammenspiel vieler Fachbereiche. Dass wir Daten und Inhalte aus ganz unterschiedlichen Bereichen zu einem stimmigen Bild zusammengeführt haben, war eine echte Teamleistung – und ein wichtiger Schritt auf unserem Weg zur CSRD.“–
Christian Peinhaupt, Project Manager Global Sustainability, SSI SCHÄFER
Eine solide Basis für 2027
Damit steht SSI SCHÄFER vor der ersten Pflichtberichterstattung auf einem stabilen Fundament. Jetzt gilt es, sich auf die finalen ESRS vorzubereiten, die seit Anfang Juli 2026 vorliegen und deutlich schlanker ausfallen als die ursprüngliche Fassung. Sowohl bei den quantitativen Daten als auch bei den qualitativen Angaben zu Strategien, Konzepten und Maßnahmen kann SSI SCHÄFER auf einer soliden Basis aufbauen; nun gilt es, beide Bereiche gezielt an die finalen ESRS-Anforderungen anzupassen.