Von der Kennzahl zur Kostenersparnis: ESG-Daten operativ nutzen

07.09.2026

ESG-Daten werden in vielen Unternehmen aus der Reporting-Perspektive erhoben. Dabei liegt in ihnen erhebliches Potenzial für operative Verbesserungen und Kosteneinsparungen. Die HÖRMANN Gruppe zeigt, wie ein datenbasierter Ansatz in Kombination mit gezielter Mitarbeiterbefähigung konkrete wirtschaftliche Ergebnisse liefert.

Wenn Daten mehr können als den Bericht zu füllen

Wer Nachhaltigkeitskonferenzen besucht oder aktuelle Fachpublikationen verfolgt, kann schnell den Eindruck gewinnen: ESG-Management dreht sich vor allem um Datenerfassung, Reporting-Frameworks und Disclosure-Anforderungen. Dabei gerät eine zentrale Frage häufig in den Hintergrund: Was machen wir eigentlich mit den Daten, wenn sie einmal erhoben sind?

Im Tagesgeschäft bleibt die strategische Nutzung der erhobenen Daten häufig auf der Strecke – verständlicherweise, denn die regulatorischen Anforderungen binden bereits erhebliche Ressourcen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen von Kapitalgebern, Geschäftspartnern und Kunden kontinuierlich. Das Ergebnis: Unternehmen investieren in Datenerhebung und Berichtserstellung, schöpfen aber das operative Potenzial dieser Informationen nicht aus.

Die HÖRMANN Gruppe, ein familiengeführter Technologiespezialist mit rund 2.900 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von circa 700 Millionen Euro, verfolgt einen anderen Ansatz: ESG-Daten werden hier nicht nur erhoben, um Berichtspflichten zu erfüllen, sondern gezielt mit der Fragestellung verbunden, wie aus diesen Daten unternehmerische Entscheidungen und operative Optimierungen abgeleitet werden können.

Wie Datenanalyse zu konkreten Einsparungen führt

Ein Beispiel aus der Unternehmenspraxis verdeutlicht diesen Ansatz: Am Standort der HÖRMANN Automotive Slovakia s.r.o. in Bánovce nad Bebravou, Slowakei wurde durch die systematische Analyse der Energiedaten ein auffällig hoher Erdgasverbrauch identifiziert. Auf den ersten Blick erschien dies ungewöhnlich, da am Standort keine energieintensiven Produktionsprozesse mit Prozesswärme betrieben werden.

Die vertiefte Ursachenanalyse vor Ort ergab u.a., dass der Schichtbetrieb am Standort zu einem erhöhten Warmwasserverbrauch durch die Mitarbeitenden führt – was wiederum den Erdgasverbrauch für die Warmwasserbereitung in die Höhe trieb. Ein Zusammenhang, der ohne systematische Datenauswertung wahrscheinlich unentdeckt geblieben wäre.

Mit diesem Wissen leiteten die Verantwortlichen vor Ort gezielte Maßnahmen ab: Die bislang ungenutzte Abwärme aus Produktionsanlagen – darunter Laserschneidanlagen, Kompressoren und Umformpressen – wird nun über ein neues Luftleitsystem zur Hallenbeheizung genutzt. Zusätzlich heizt ein in den Kühlkreislauf integrierter Wärmetauscher das Warmwasser vor und reduziert so den Energieaufwand für die Warmwassererzeugung erheblich.

Das Ergebnis: Der Erdgasverbrauch am Standort sank von rund 840 MWh auf 385 MWh– eine Reduktion um ca. 55 Prozent.

Design ohne Titel(5)

„Daten sind der Rohstoff, nicht die Wertschöpfung. Sie entsteht erst, wenn unsere Mitarbeitenden diese Daten interpretieren, kontextualisieren und in zielgerichtete Maßnahmen überführen.“

Fabian Schellhas, Head of Sustainability & Corporate Investments, HÖRMANN Gruppe

Am Standort in der Slowakei war es das technische Know-how vor Ort, das den entscheidenden Unterschied machte:

„Die Daten haben uns auf die Spur gebracht, aber erst die Analyse vor Ort hat den Zusammenhang zwischen Schichtbetrieb, Warmwasserverbrauch und Beheizung der Hallen aufgedeckt. Daraus konnten wir konkrete Maßnahmen ableiten – mit dem Ergebnis, dass wir den Erdgasverbrauch um mehr als die Hälfte gesenkt haben. Das sind Kosteneinsparungen, die sich Jahr für Jahr rechnen.“

Andrej Adamus, HÖRMANN Automotive Slovakia s.r.o.

Drei Bausteine, die den Unterschied machen

Der Ansatz der HÖRMANN Gruppe basiert auf drei Elementen, die aufeinander aufbauen:

Erweiterte Datenerfassung: Über die regulatorischen Mindestanforderungen hinaus werden gezielt zusätzliche Datenpunkte erfasst. Diese erweiterte Datenbasis ermöglicht tiefere Analysen und das Erkennen von Zusammenhängen, die bei einer rein compliance-orientierten Erfassung nicht sichtbar würden.

Systematische Analyse: Die erhobenen Daten werden nicht nur für Berichte aufbereitet, sondern aktiv auf Auffälligkeiten und Optimierungspotenziale untersucht.

Wissen vor Ort aktivieren: Mitarbeitende an den Standorten verstehen die Daten, ergründen Ursachen und leiten eigenverantwortlich Maßnahmen ein. Ihr technisches Know-how ist entscheidend, um aus statistischen Auffälligkeiten konkrete Verbesserungen abzuleiten – unterstützt durch gezielte Sensibilisierung, methodische Begleitung und den Austausch bewährter Lösungsansätze.

Erfolgsfaktoren für die operative Datennutzung

Das Beispiel der HÖRMANN Gruppe zeigt: Der Mehrwert von ESG-Daten liegt nicht allein in der Erfüllung von Berichtspflichten. Wer die erhobenen Informationen systematisch auswertet und die Mitarbeitenden vor Ort einbindet, kann konkrete operative Verbesserungen erzielen – mit messbaren wirtschaftlichen Effekten. Entscheidend ist dabei der Perspektivwechsel: ESG-Daten nicht als regulatorische Pflicht zu behandeln, sondern als betriebswirtschaftliche Ressource.

Autor: Fabian Schellhas verantwortet bei der HÖRMANN Gruppe die Bereiche Nachhaltigkeit und Corporate Investments und verbindet damit zwei Perspektiven: Datenanalyse und unternehmerisches Denken.

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