Review der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse: Erhebliche Kosteneinsparungen bei Berichterstellung und Kennzahlenerhebung

10.12.2025

Die Überarbeitung und Vereinfachung der ESRS bietet Unternehmen die Chance, ihre Wesentlichkeitsanalyse effizienter zu gestalten – und damit Zeit und Geld zu sparen. Je präziser die Analyse, desto mehr lässt sich der Fokus auf die wirklich wesentlichen Themen legen. Das Ergebnis: kürzere Berichte, weniger Kennzahlen, geringere Prüfkosten. iron hat im Rahmen einiger Kundenprojekte bereits systematische Reviews der ersten doppelten Wesentlichkeitsanalyse von Unternehmen durchgeführt und dabei konkrete Optimierungspotenziale identifiziert. Die wichtigste Erkenntnis: Hierbei lassen sich Aufwand und Kosten im CSRD-Reporting erheblich reduzieren – ohne Abstriche bei der Compliance machen zu müssen.

Ausgangslage: Vereinfachte ESRS als Chance für effizienteres Reporting

Nach dem EU-Omnibus-Vorschlag vom Februar 2025 beauftragte die Europäische Kommission die EFRAG mit der Vereinfachung der bestehenden ESRS. Die Rückmeldungen aus der öffentlichen Konsultation sind nun konsolidiert und der aktuelle Arbeitsstand ist Ende November 2025 veröffentlicht worden. Die finale Fassung wird für Mitte 2026 erwartet.

Für viele Unternehmen, die bereits eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse gemäß der ursprünglichen Fassung der ESRS durchgeführt haben, stellt sich die Frage: Erfüllt die durchgeführte Wesentlichkeitsanalyse die sich abzeichnenden Anforderungen der überarbeiteten ESRS – und lässt sie sich effizienter gestalten, um den künftigen Reporting-Aufwand zu reduzieren? Um dies zu klären, wurde das Team von iron mit systematischen Reviews beauftragt. Ziel war es, neben der Compliance-Prüfung auch konkrete Optimierungspotenziale zu identifizieren.*

Methodik: Strukturierte Bewertung schafft Klarheit

Der Review folgte einem klaren Ansatz: Auf Basis der von den Unternehmen bereitgestellten Dokumentationen und Prozessbeschreibungen entwickelte iron einen systematischen Bewertungsrahmen. Dieser ermöglichte es, die durchgeführte Wesentlichkeitsanalyse gegen die absehbaren Anforderungen der überarbeiteten ESRS zu prüfen und sowohl Bereiche zu identifizieren, die den Standards entsprechen, als auch solche mit Verbesserungspotenzial. Das Ergebnis: Ein detaillierter Gap-Report mit konkreten Handlungsempfehlungen – zugeschnitten auf die spezifische Situation des jeweiligen Unternehmens.

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Wo Unternehmen künftig Zeit und Geld sparen können

Die überarbeiteten ESRS bieten mehrere Ansatzpunkte, um die Wesentlichkeitsanalyse effizienter zu gestalten. Die wichtigsten Optimierungspotenziale im Überblick:

a) Top-Down statt Bottom-Up: Effizienter zur Themenauswahl

Die Auswahl der wesentlichen Themen erfolgt künftig ausgehend von den Geschäftsaktivitäten (Top-Down) und nicht mehr auf Basis der sogenannten AR-16 Themenliste, die weit über 100 Themen, Unterthemen und sogar Unter-Unterthemen beinhaltete (Bottom-Up). Das reduziert den Analyseaufwand erheblich und setzt den Fokus auf die tatsächlich relevanten Nachhaltigkeitsthemen des Unternehmens.

b) Pragmatische IRO-Bewertung: Nicht jedes Detail analysieren

Die überarbeiteten ESRS erlauben einen pragmatischeren Ansatz bei der Bewertung von Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs). Unternehmen müssen nicht mehr jedes mögliche IRO über alle Geschäftsbereiche und die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bewerten, um berichtspflichtige Themen zu identifizieren. Auch bei der Bewertung von Zeithorizonten und Schweregrad-Charakteristika gibt es mehr Spielraum. Zudem kann eine quantitative Bewertung durch qualitative Angaben ersetzt werden. Diese Vereinfachungen sollten allerdings mit Bedacht angewendet werden, da sie die Objektivität der IRO-Bewertung beeinträchtigen können.

c) Strengere Kriterien für positive Auswirkungen

Die überarbeiteten ESRS präzisieren die Definition positiver Auswirkungen. Aktivitäten, die lediglich gesetzlichen Anforderungen entsprechen, eigene negative Effekte mindern oder rein philanthropischen Charakter ohne Bezug zum Kerngeschäft haben, gelten nicht als positiv. Diese Klarstellung reduziert die Zahl der zu bewertenden Auswirkungen und stärkt den Fokus auf solche, die tatsächlich einen positiven Beitrag zur Situation von Mensch und Umwelt leisten.

Michael Werner, strategischer Partner von iron und ehemaliger Partner bei PwC mit über 15 Jahren Erfahrung in der Nachhaltigkeitsberatung, betont das Sparpotenzial in der Praxis:

Michael Werner

„Unternehmen werden auf Basis der überarbeiteten ESRS nicht nur bei der Bewertung der IROs Zeit sparen, sondern vor allem bei der späteren Berichterstellung. Gelingt es durch eine punktgenaue Wesentlichkeits-analyse, den Umfang des Berichts beispielsweise um 30 % zu reduzieren, sinken automatisch die Gesamtkosten für Erstellung und Prüfung. Das macht einen erneuten kritischen Blick auf die Wesentlichkeitsanalyse schnell zu einem rentablen Business Case – und dabei ist der geringere Aufwand bei der Kennzahlenerhebung noch gar nicht eingerechnet.“

Wo Unternehmen weiterhin Zeit investieren sollten

Bei aller Vereinfachung gibt es Bereiche, in denen methodische Sorgfalt weiterhin entscheidend ist und sich langfristig auszahlt – gerade wenn es darum geht, den Wirtschaftsprüfer vom Vorgehen zu überzeugen und Komplikationen während der Prüfung proaktiv zu vermeiden. Denn unsere Erfahrung zeigt: Bei der erstmaligen Prüfung schauen Prüfer:innen besonders genau hin.

Die Definition klarer, objektiv nachvollziehbarer Schwellenwerte (Thresholds) ist dabei zentral. Sie legen fest, ab welchem Schweregrad ein IRO als wesentlich gilt. Hier sollten Unternehmen Zeit investieren, um eine methodisch fundierte Grundlage zu schaffen. Ebenso empfiehlt sich für die Bewertung finanzieller Auswirkungen von Chancen und Risiken neben qualitativen Einschätzungen auch die Entwicklung quantitativer Skalen. Diese zeigen beispielsweise auf, wie sich bestimmte Risiken auf den EBIT auswirken könnten. Solche Skalen schaffen Objektivität und verdeutlichen konkret, welche finanziellen Folgen etwa eine Rohstoffverknappung oder -verteuerung für die Bottom-Line hätte.

Was der Review bei unseren Kunden gezeigt hat

Die systematische Überprüfung ermöglichte es, die durchgeführte Wesentlichkeitsanalyse punktgenau gegen die absehbaren Anforderungen der revidierten ESRS zu prüfen. Dabei wurden sowohl Bereiche identifiziert, in denen die bisherige Vorgehensweise den Standards (noch) nicht entspricht, als auch konkrete Optimierungspotenziale aufgedeckt.

Fazit: Jetzt prüfen, später profitieren

Die Vereinfachung der ESRS ist eine Chance: Wer jetzt seine Wesentlichkeitsanalyse systematisch überprüft und methodisch optimiert, spart künftig Zeit und Geld. Kürzere Berichte bedeuten weniger Prüfaufwand, weniger Datenerhebung und geringere Kosten – bei gleichbleibender Compliance-Sicherheit.

Was den Zeitpunkt des Reviews angeht: Durch die Ende November 2025 veröffentlichten Dokumente liegt ein belastbarer Zwischenstand vor, der sehr nah an der für Mitte 2026 geplanten finalen Version liegen dürfte. Daher lassen sich bereits jetzt deutliche Tendenzen erkennen, die voraussichtlich auch so umgesetzt werden – insbesondere bei den Erleichterungen. Das Risiko, zu früh mit dem Review zu starten, ist unseres Erachtens daher überschaubar. Wer hingegen wartet, bis die finalen ESRS vorliegen, verliert wertvolle Vorbereitungszeit.

*Wichtiger Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Aspekte aus den überarbeiteten ESRS stehen unter Vorbehalt, da die Standards noch nicht final sind. Die Aussagen stützen sich auf den Entwurfsstand vom November 2025.

Sie wollen wissen, wie Ihre Wesentlichkeitsanalyse im Vergleich zu den sich abzeichnenden ESRS-Anforderungen dasteht – und wo Einsparpotenziale liegen? Sprechen Sie uns gerne an. Wir unterstützen Sie bei einem strukturierten Review und zeigen Ihnen, wie Sie Ihren künftigen Reporting-Aufwand systematisch reduzieren können.

Anna-Lena Mayer
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Anna-Lena Mayer

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Anna-Lena Mayer

Head of Nachhaltigkeit & ESG

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