„Unsere Bilanz fällt rundweg positiv aus“

Seit dem 8. Juni 2012 wird die Anleihe des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 an der Börse gehandelt. Johannes Möglich, der beim FC Schalke 04 die Bereiche Corporate Finance und Investor Relations betreut, blickt im Interview mit IR.on auf die erste Saison am Kapitalmarkt zurück.

Herr Möglich, die Bundesliga feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. War die Schalke-Emission – die erste ihrer Art – ein Meilenstein in der Geschichte der Liga?

Die Bundesliga hat immer wieder neue Finanzierungsformen hervorgebracht, die auch dazu beigetragen haben, dass sich der Fußball zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland entwickelt hat. Die Emission einer börsennotierten Anleihe könnte diesbezüglich ein neues Kapitel aufschlagen. Ob unsere Anleihemission allerdings ein Türöffner war oder ein einmaliges Ereignis bleibt, wird die Zukunft zeigen müssen. Unsere Bilanz fällt jedenfalls nach einem Jahr am Kapitalmarkt rundweg positiv aus.

Andere Vereine haben den organisierten Kapitalmarkt in der Vergangenheit gescheut und sogenannte „Fananleihen“ emittiert. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Unterschiede zwischen Fananleihe und Kapitalmarktanleihe?

Die Emission einer „Fananleihe“ zielt mehr auf den Fußballfan ab, der sich nicht als Investor, sondern viel mehr als Unterstützer seines Clubs sieht. Eine klassische „Fananleihe“ unterliegt zudem nicht den Folgepflichten, die mit einer Börseneinführung verbunden sind und es existiert kein Sekundärmarkt für den Handel solcher Anleihen. Aus unserer Sicht haben beide Instrumente ihren Platz im Finanzierungsmix.

Was sind die Vorteile des börsennotierten „Schalke-Bonds“?

Zum einen kann mit einer börsennotierten Anleihe grundsätzlich ein höherer Emissionserlös erzielt werden, da auch institutionelle Investoren angesprochen werden. So kann die Bankenunabhängigkeit des Vereins weiter vergrößert werden. Zum anderen kann der Emittent mit einer börsennotierten Anleihe die Bekanntheit der eigenen Marke und das eigene Image als professionelles, transparentes und zuverlässiges Fußball-Unternehmen bedeutend steigern.

Was waren und sind die größten Herausforderungen für den FC Schalke 04 im Zuge der Emission?

Mit der Notierung an der Börse sind Anforderungen verbunden, die das Unternehmen während und nach der Emission zu beachten hat. Dafür gilt es finanzielle und personelle Ressourcen bereitzustellen. Die größere Herausforderung war für uns allerdings branchenspezifischer Natur. Die Bundesliga ist in den letzten Jahren als Marke gereift und etabliert sich stetig im internationalen Clubfußball. Dennoch wird der Profifußball von vielen Kapitalmarktteilnehmern nach wie vor als risikoreiche und wenig berechenbare Branche angesehen.

Welche Argumente bringen Sie gegen diese Sichtweise vor?

Fußballclubs können nicht in dem üblichen Maße mit Hilfe von Kennzahlen gesteuert und bewertet werden. So ist die Bilanz nur begrenzt aussagekräftig, da unter anderem Spielerwerte im Anlagevermögen aufgrund handelsrechtlicher Vorschriften teilweise gar nicht ausgewiesen sind und Personalveränderungen im Lizenzspielerbereich sich in erheblichem Maße in der Gewinn- und Verlustrechnung widerspiegeln können. Es ist deswegen zwingend notwendig, die Kennzahlen getriebene Risikobewertung um die Betrachtung fußballspezifischer Besonderheiten zu ergänzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Johannes Möglich, Dipl. Betriebswirt (FH) und gelernter Bankkaufmann, ist seit 2010 beim FC Schalke 04 im Bereich Finanzen & Controlling tätig und betreut die Bereiche Corporate Finance und Investor Relations. Er begleitete vereinsseitig sowohl die Emission der Schalker Fananleihe in 2010 als auch die Emission der Mittelstandsanleihe in 2012.

Die IR.on AG fungierte während der Emission der ersten börsennotierten Anleihe eines deutschen Fußballclubs als Kommunikationsberater und unterstützt seitdem den Verein in der Finanzkommunikation.